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3. Eintrag

            Bern, den 06.11.1948

Liebes Tagebuch,

heute Nacht bin ich bei Bärlach eingebrochen, und versuchte an die Akten über Schmied zu gelangen. Doch leider klappte dies nicht ganz, wie ich das wollte. Schließlich konnte ich fliehen, leider ohne die Mappe. Es kam zu einem kleinen Gefecht zwischen Bärlach und mir. Glücklicherweise wurde keiner wirklich verletzt. Doch anscheinend ist der Hauptkommissar schon so senil, dass er wieder ausgerechnet mich zu sich bestellt, um mir von dem Vorfall zu berichten. Ich habe ihm natürlich nicht gesagt, dass ich dahinter stecke. Doch so altersschwach ist er nicht, wie er scheint. Er betrügt nur alle Menschen in seiner Gegenwart. Aber dazu werde ich später mehr berichten.

heute habe ich endlich wieder Anna in der Stadt getroffen. Sie war zuvor in der Kathedrale. Danach habe ich sie in Bern vor der Kathedrale abgeholt und wir sind ein Stückchen spazieren gegangen. Sie sah bezaubernd aus wie immer. Sie versprach mir – vielleicht noch etwas zaghaft – dass sie mit mir zusammen sein werde, wie sie es mit Schmied war. Das machte mich sehr glücklich und ich bin sicher, dass sie bald genauso zu mir sein wird, wie sie zu Schmied war. Erst musste ich aber Schmieds „Mörder“ stellen. Vieles spricht momentan gegen Gastmann. Mit Anna war alles sehr schön. Schließlich fuhr ich zu Gastmann nach Lamboing, ich sollte ihn stellen. Dort angekommen, kam es schnell zu einer Schießerei zwischen mir und zwei von Gastmanns Dienern und Gastmann selbst. Schließlich starben dabei Gastmann und seine Angestellten. Schwer verletzt konnte ich einem Diener Gastmanns noch meine Waffe, die Tatwaffe, unterjubeln. Es ging alles sehr schnell. Ich alarmierte die Polizei und ich stand als der strahlende Gewinner und Held da. Dr. Lucius Lutz will mich nun befördern, da ich so große Arbeit geleistet habe.

 

Doch abends kam es zu einem großen Wendepunkt. Ich sollte noch einmal Hauptkommissar Bärlach in seiner Wohnung besuchen. Ich war sehr verwundert, dass mir ein junges Dienstmädchen die Tür öffnete, obwohl Bärlach kein Dienstpersonal hat. Es gab sehr viel zum Essen und Bärlach „stopfte“ das Essen nur so in sich herein. Es war fast schon ekelhaft. Schließlich ist er ja todeskrank, besonders sein Magen ist äußerst angeschlagen. Eine tolle Atmosphäre herrschte, es war alles toll. Bärlach erzählte, dass er gar nicht krank sei und schließlich brachte er mich auch dazu, alles zu erzählen. Es ging alles so schnell. Ich kann mich kaum noch erinnern, wie das alles passiert ist. Ich beichtete ihm, dass ich der Mörder sei und er sagte, dass er es gewusst hätte. Ich weiß nicht, wie das sein konnte. Ich hatte das ja schon vermutet gehabt. Aber ich habe es dann doch für Verfolgungswahn von mir gehalten. Jetzt herrscht ein Chaos in mir. Ich ärgere mich, dass ich mich so um den „Finger wickeln“ lassen habe. Doch bin ich auch froh, dass dieses Versteckspiel vorbei ist und ich vielleicht endlich wieder ein bisschen durchatmen kann. Es war schlimm, immer lügen zu müssen. Ich weiß, dass sich viel für mich ändern wird und ich weiß auch nicht wie und ob mein Leben weitergeht. Ich weiß momentan nichts. Hoffentlich kann ich bald eine Entscheidung fällen.

 

Rudolf

11.2.09 17:58


2. Eintrag

Bern, den 05.11.1948

Liebes Tagebuch,

heute war der Tag nicht immer sehr optimal für mich. Ich war heute mit Hauptkommissar Bärlach bei dem „Schriftsteller“. Er hat anscheinend keinen normalen Namen. Von „normal“ kann man bei dieser Person aber sowieso nicht sprechen. Es handelt sich um einen sehr seltsamen Zeitgenossen, denn er begrüßte uns nicht wirklich, er war sehr unfreundlich und wollte sichergehen, dass wir ihm den Mord zutrauen, wobei er es selbst beteuert nicht gewesen zu sein. Es begrüßte uns stattdessen ein wild gewordener weißer Hund. Mit diesen Tieren haben Bärlach und ich in der bisherigen Ermittlungszeit kein Glück gehabt, erinnern wir uns an den Vorfall bei Gastmann, als ein Hund Gastmanns Bärlach angefallen hat und ich das Tier schließlich erschießen musste. Wir sprachen schließlich mit diesem Mann. Aber er zerstöre mein gesamtes Konzept, Gastmann für die Tötung Schmieds zu beschuldigen. Der „Schriftsteller“ sagte, dass er Gastmann zwar Kapitaldelikte zutraue, aber nicht diesen Mord. Er lieferte Bärlach bei der Vernehmung Hinweise, dass Gastmann nicht der Täter sein kann, schon rein aus zeitlichen Gründen nicht. Doch der Schriftsteller bezeichnete Gastmann als einen „Nihilist“, eine Person, die meint, über dem Gesetz zu stehen und kein moralisch-ethischen Skrupel empfindet. Das ist ein hervorragendes Täterprofil. Ebenso so Gastmann ein großer Koch sein. Im Moment der Vernehmung empfand ich die Ausführung über Gastmanns Kochkünste äußerst störend. Später ist mir jedoch aufgefallen, dass man Gastmann so als „Mörder aus Lust- und Genussgründen“ bezeichnen kann. Ich muss versuchen, die Aussagen, dass Gastmann nicht der Mörder sei, vor Dr. Lutz und den anderen Polizeimitarbeitern zu verbergen. Ich denke, dass der senile Bärlach die verworrenen Aussagen des „Schriftstellers“ sowieso nicht mehr versteht.

 

Nach dem Gespräch wollte ich zu Gastmann fahren, und ihn und seine Diener verhören. Bärlach sagte jedoch, ich sollte es nicht machen, da Lutz die Ermittlungen dem Bundesanwalt überlässt. Lutz zerstört unsere gesamten Ermittlungsarbeiten. Bärlach hat mich bei der Polizei nie geachtet und respektiert. Jetzt habe ich die Chance, vor dem toten Schmied hervorzutreten. Doch sofort werden meine gesamtem Bemühungen zerstört. Das Glück ist mir nicht geneigt. Ich hätte meiner Strafe entgehen können und einen riesigen Karrieresprung verbuchen können. Doch nun scheint es nicht zu funktionieren. Ich werde aber versuchen, dass es klappt und dass ich aus diesen Ermittlungen noch positive Folgen für meine Person ziehen kann.

 

Bis dann, liebes Tagebuch

Dein Rudolf

11.2.09 17:57


1. Eintrag

Bern, den 04.11.1948

Liebes Tagebuch,

heute wurde ich von meinem Chef Dr. Lucius Lutz und Hauptkommissar Hans Bärlach zum Assistenten Hauptkommissar Bärlachs im Mordfall „Schmied“ gemacht. Das hat mich sehr verwirrt. Ich bin ja schließlich selbst der Mörder. Das wissen die zuständigen Personen bei der Polizei aber nicht, hoffe ich zumindest. Soll ich mich jetzt etwa selbst ausfindig machen? Ebenfalls befand ich mich ja eigentlich offiziell im Urlaub.

 

Wieso wurde gerade ich ausgewählt? Herr Lutz schätzt mich. Aber Herr Bärlach verabscheut mich. Er hat mich schon immer für nicht so fähig und gebildet wie Schmied gehalten. Schmied war für ihn immer der Bessere. Dies ist auch einer der Hauptgründe, warum ich Schmied getötet habe.

Vielleicht hat mich ja auch Lutz, der eigentlich vom Dienstgrad her über Bärlach steht, bestimmt, um Bärlach zu verärgern, denn die beiden Herren mögen sich nicht wirklich.

 

Der Hauptkommissar war bei dem heutigen Gespräch fast wie immer. Er war nämlich kränklich und alt. Doch er war auch sehr seltsam. Der alte Mann berichtete, dass er schon wisse, wer der Mörder ist. Doch er könne es nicht beweisen, weil er noch warte, dass sein Verdächtiger und auch ich ihm die passenden Beweise liefert. Wieso werde ich zum Assistenten in diesem Fall berufen, wenn er den Täter schon kennt? Doch was mich noch viel mehr beunruhigt, ist die Annahme, dass Bärlach mich für den Täter hält und mit mir nur noch ein grausames Spiel spielen möchte. Vielleicht will er mich „ausbluten“ lassen und sich dabei amüsieren, wie ich versuche, andere meiner Tat zu bezichtigen und mich dann schließlich, wenn ich mich selbst verraten habe, festnehmen lassen. Doch ich glaube, dass ist eine überempfindliche Angst meinerseits. Die Verwirrung, dass ausgerechnet ich als der Täter selbst, zur Aufklärung des Falls beitragen soll, hat das bei mir ausgelöst. Vermutlich gibt es andere Gründe, warum ich zu diesem Posten berufen wurde. Meine Tat war eigentlich perfekt. Kein Polizist wird mir je die Schuld beweisen können bzw. darauf kommen, dass ich – ein „ungebildeter“ Polizist Schmied getötet habe. Ich befinde mich momentan in einer optimalen Situation. Ich kann alle Spuren so vertuschen und falsche Verdächtigungen inszenieren, um mich meiner Strafe zu entziehen.

 

Bis dann

Dein Rudolf

 

11.2.09 17:06


Erläuterungen

In den folgenden Texten/dem folgenden Blog habe ich fiktive Tagebucheinträge für die Person „Tschanz“ aus dem Kriminalroman „Der Richter und sein Henker“ von Friedrich Dürrenmatt verfasst. Die Person, also Tschanz, behandelt darin seine persönlichen Erlebnisse in dem Roman. Die Rechte an dem Inhalt und an den Namen des Buches liegt beim Autor und beim Diogenes Verlag, 1985.

Da „Tschanz“ im Roman keinen Namen trägt habe ich ihm, den Vornamen „Rudolf“ gegeben.

11.2.09 17:06





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